Sonntag, 15. Oktober 2006

Welcome to Bullshit Castle

Es ist bereits eine Woche her, dass uns die Sicherungen durchgebrannt sind. Nach wie liegt die halbe Wohnung im Dunkeln und abends kann man nur mit Kerzenlicht kochen. Morgen sollte eigentlich der Elektriker kommen und uns die Erleuchtung bringen, aber der Herr hat abgesagt. Sein Kollege ist krank und somit wird die Aktion „Erleuchtung“ auf unbestimmte Zeit verschoben. Meine Mitbewohner laufen langsam Amok, was ich auch irgendwie verstehen kann. Würde mir genauso gehen, wenn ich keinen Strom hätte.

Damit nicht genug. Am Freitag platzte eine Wasserleitung vor dem Haus. Somit mussten wir uns die Zähne mit Sprudel putzen. Ich kam mir vor wie im Jugendzeltlager im vergangenen Jahrtausend.

Dank dem schnellen Eingreifen der Herren vom Wasserwerk und einer Baugrube vor dem Haus hatten wir am Samstagmorgen wieder fließend Wasser.

Montag, 9. Oktober 2006

Knapp einem flammenden Inferno entgangen

SSL10279Also vor gut einem halben Jahr ein in Weingarten Wohnheim brannte, da dachte ich mir „Scheiße – hoffentlich passiert mir so was nie“. Und heute Nächte wäre mir fast das gleiche passiert. Ein Kurzschluss in der Elektrizität legte unsere halbe Wohnung lahm. Wie der Elektriker heute meinte, hätten wir Glück gehabt. Normalerweise würde das zu einem Brand führen. Bei Gasheizung, Altbauwohnung im dritten Stock und vergitterten Fenster und Türen (Tür nur mit Hausschlüssel zu öffnen) wäre das sicherlich ein selbst für Hollywood unschlagbares Szenario geworden.

Sonntag, 8. Oktober 2006

Praxissemester in Saudi-Arabien !

Nun ist es also offiziell. Gestern kam die Mail des "German Saudi Arabian Liaison Office for Economic Affairs(GESALO)" mit der Zusage für mein Praktikum. Der Vertrag sei auf dem Weg nach Deutschland. Gleichzeitig wurde mir der Visum-Antrag mit der entsprechenden Beschreibung geschickt.

Zwar klappt es nicht, dass ich dort meine Bachelor-Thesis schreibe, aber ich freue mich trotzdem auf Saudi-Arabien.

Außerdem habe ich gleich meine erste Lektion in arabischer Soziologie bekommen. In Saudi-Arabien sind die arbeitsfreien Tage immer am Donnerstag und Freitag. Gut zu wissen, will ja nicht vor verschlossenen Türen stehen, wenn ich zum Arbeiten gehen möchte.

Samstag, 23. September 2006

Rendörseg

Im Laufe des heutigen Abends habe ich mein drittes ungarisches Wort gelernt. Neben utca (Straße), Alma (Apfel) kenne ich nun auch die Bedeutung des Wortes Rendörseg, was so viel wie Polizei heißt. Die Herren der ungarischen Justiz waren so nett und haben die „Belgian Party“ Abend gesprengt.

Doch der Reihe nach. Die Belgian Connection bestehend aus Matthias, Tim und Dieter hatten zur „House-warming party“ in ihrer neuen Wohnung eingeladen. Und wie es sich für anständige Belgier gehört, gab es natürlich auch Pommes mit Ketchup und Mayo. Die drei hatten vorsorglich eine Friteuse mit nach Budapest gebracht, was ich sehr umsichtig von den Jungs fand.

Die Party war also im vollen Gange und die Frittenmaschine lief auf Hochtouren, als auf einmal die „Blaumänner“ vor der Türe standen. Die lieben Nachbarn hatten sich bereits mehrfach beschwert und so wurde das fröhliche Gelage innerhalb weniger Minuten aufgelöst. Wenn Budapester Polizei nur so effektiv bei den Unruhen durchgreifen würde, wie bei den harmlosen Erasmus-Studenten. Was soll man dazu sagen? „That sucks“ trifft es wohl am ehesten.

Freitag, 22. September 2006

Business in Hungary - Lesson 1

Die heutige Party im Bahnhof Music Club war zum vergessen. Das aufregendste war die Gangster-Geschichte eines schwedischen Kommilitonen. Er hat mir ein bisschen vom Geschäftsgebaren der ungarischen Taxifahrer erzählt. Wie er mir erzählte, wollten er und sein Mitbewohner nach einer Party ein Taxi nehmen. Als der Taxifahrer am Ziel mehr als den vereinbarten Preis verlangte und sich die Mitstudenten weigerten, ist er einfach losgefahren. Auf dem Weg in einen Außenbezirk von Budapest hat der freundliche Taxifahrer seine Freunde „Oleg, Sascha und Wladimir“ angerufen, dass er gleich „vorbeikommen“ würde. Angesicht des Empfangskomitees haben die beiden gerne den Sonderpreis inklusive eines üppigen Trinkgelds bezahlt.

Mittwoch, 20. September 2006

Aus dem Leben eines Erasmus-Studenten

Als ich mich vor einigen Monaten dazu entschied nach Ungarn zu gehen, da war ich mir durchaus im Klaren darüber, dass nicht alles rund laufen würde. Ich wusste auch, dass die Uni am A******* der Welt ist und es rund eine Stunde in Anspruch nehmen wird um von der Innenstadt bis zum Campus zu gelangen. Aber was ich nicht wusste, dass man zur Vorlesung fährt um dann gesagt zu bekommen, dass der Kurs voll wäre und nur ungarische Studenten daran teilnehmen können. Begründung: „Die ungarischen Studenten haben sich via Internet bereits angemeldet.“

Solche Komiker! Wie soll ich mich via Internet anmelden, wenn ich keinen Account habe? Nur gut, dass es den anderen Erasmus-Studenten ähnlich erging.

Benny´s Verschwörungstheorie

Als ich vergangene Woche folgenden Anschlag im Internet las, da war ich etwas ratlos:

For the attention of all incoming Erasmus students who have chosen subjects taught in English:
As a rule all incoming foreign students are expected to be able to pass an English language test equivalent to the level of TOEFL 550.
The students who posses this or any other certificate of their proficiency in English are requested to present it to the International coordinator (E I. 43)
The students who do not have such certificate of English language should write a grammar test on13th or on 14th September in the room E. I. 43.
The students, whose test results prove to be unsatisfactory, are obliged to choose the subject „English Language Support” independently of their ECTS credit considerations.
XXX XXXXXXXX
ERASMUS coordinator


Das konnte doch nur ein schlechter Witz sein, oder? Hatte ich doch bereits in der Heimat meine Enlisch-(Un)Kenntnisse unter Beweis gestellt. Außerdem dachte ich immer, es sei Sache der „Sending Institution“, dass die Studenten über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen.

Ausgerechnet der Herr, welcher bislang für uns Erasmus-Studenten nicht mehr gemacht hatte als unsere Adressen in Budapest und unsere Fächer in seinen Computer einzutragen, machte sich auf einmal Sorgen, dass wir dem Unterricht nicht folgen können. Das stinkt doch gewaltig.

Böse Zungen an der Uni behaupten, Herr XXX wolle auf diese Art und Weise nur seine Englisch-Kurse auffüllen, welche von ihm gegeben werden.

Ach ja, mit 66 % war das Ergebnis „unsatisfactory“ und ich wurde, wie übrigens fast alle anderen Erasmus-Studenten auch, von dem freundlichen Herrn in den Sprachkurs gesteckt.

In diesem Fall ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Wer Wind säht, der wird Sturm ernten“.

Montag, 18. September 2006

Deutsche Bahn & German Wings vs. Budapester Verkehrsbetriebe

Die fast einstündige Verspätung von Budapest nach Stuttgart und der anschließende Stau zwischen Stuttgart und der oberschwäbischen Heimat am Freitag waren nur die Ouvertüre für ein wunderschönes Finale am Sonntag.

Nachdem der Zug in Ravensburg noch pünktlich war, und ich eigentlich misstrauisch hätte werden müssen, hatte der IR beim Halt in Geislingen schon fast zehn Minuten Verspätung. Im Laufe der Fahrt wuchs die Verspätung immer weiter, bis eine freundliche Stimme durch den Bordlautsprecher das Ende der Fahrt in Plochingen ankündigte. „Technische Probleme“ sorgten also dafür, dass der Zug 20 Minuten später als geplant in dem schwäbischen Städtchen eintraf und ich auf einen Anschlusszug nach Stuttgart (Hbf) warten musste. Doch damit nicht genug, wie sollte es auch anders sein, auch dieser hatte zehn Minuten Verspätung, so dass ich am Ende fast eine Stunde später als geplant in eine pünktliche S-Bahn zum Flughafen einsteigen durfte.

Somit war die ohnehin schon knappe bemessene Redundanz auf knapp eine Stunde zusammengeschmolzen. Da konnte ich also froh sein, dass der Check-in ebenso reibungslos von statten ging wie der Sicherheitscheck und die Pass-Kontrolle. Viel Zeit blieb trotzdem nicht, denn fünf Minuten vor Beginn des Boardings hatte ich das Gate erreicht.

Dort wurde ich auch schon von einer netten Stimme begrüßt: „Auf Grund von Problemen im Schweizer Luftraum wird sich unser Abflug um rund eine Stunde verspäten. Unsere Maschine befindet sich derzeit noch in Bologna.“ Toll dachte ich mir, „Schweiz und Luftraum“, da war doch was. Skyguide lässt grüßen. Mit der Stunde lag der Herr auch gar nicht so falsch, denn fast genau eine Stunde später saß ich dann auch im Flugzeug in Richtung Budapest.

In Budapest angekommen ging es per Bus und Bahn nach Hause. Und siehe da, sowohl Bus, wie auch Metro waren pünktlich und brachten mich ohne Verzögerungen zum gewünschten Haltepunkt. Da stellt man sich schon die Frage, „wie bekommen das die Budapester Verkehrsbetriebe hin, währen die Bahn mit weitaus modernern Züge regelmäßig zu spät kommt?“

Samstag, 16. September 2006

Ja ist denn heut schon Weihnachten

Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, dann würde ich es nicht glauben. Es ist wirklich bald Weihnachten. Das liegt aber nicht nur an den zeitweise fast winterlichen Temperaturen der vergangenen Wochen. Nein, aber es gibt wieder Spekulatius, Lebkuchen und Co in den deutschen Supermärkten. Weihnachten steht also untermittelbar vor der Türe. Demnach müssten an Omis Adventskranz schon mindestens drei Kerzen brennen und der Adventskalender wie jedes Jahr um den dritten Advent, schon komplett leer sein.

Fakt ist aber, wir haben den 16. September und in Baden-Württemberg sind noch Sommerferien. Jawohl, ihr habt euch nicht verlesen. Es sind Sommerferien und es gibt bereits Weihnachtsgebäck. Hat man so was schon mal erlebt? Die haben wohl nicht alle Steine auf der Schleuder. Was kommt wohl als Nächstes? Ostereier an Silvester?

Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass ich nicht widerstehen konnte und mir auch eine Packung Lebkuchen gekauft habe. Sie waren lecker und für einen Moment war mir auch egal, ob nun bald Weihnachten ist oder nicht.

Motto des Tages:

Es sind die kleinen Augenblicke, die das Leben groß machen!

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